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Wohnen im Alter – vom leeren Haus in die barrierefreie Wohnung

Leitartikel Haus & Grund Nr. 1/Jänner-Februar 2019:

Die Bevölkerung in Vorarlberg wächst nicht nur, sie wird auch älter. Wo sich früher die ganze Familie im Einfamilienhaus tummelte, wird es dann im Alter häufig ruhig. Das eigene Haus – Pflege, Größe, Erhalt – kann zur Belastung werden. „Haus und Grund“ hat sich schlau gemacht, welche Wohnformen für rüstige Pensionisten in den kommenden Jahren an Attraktivität gewinnen könnten.

Die Bevölkerung wird älter und mit dieser Entwicklung steigt auch die Zahl der Ein- und Zweipersonenhaushalte. Laut Statistik Austria leben bereits 20 Prozent der 50- bis 59-jährigen Österreicher in einem Singlehaushalt. Umgelegt auf Vorarlberg bedeutet dies, dass in sehr vielen Einfamilienhäuser, die ursprünglich für vier oder fünf Personen ausgelegt waren, jetzt nur mehr ein oder zwei Personen leben. Die Frage, wie und wo soll, will und kann man im Alter leben, gewinnt zusehends an Bedeutung.

Wohnformen für „Best Ager“

„Best Ager“ werden sie genannt. Jene älteren Menschen, die agil sind, aktiv und selbstständig ihren Alltag bewältigen und auch genießen. Diese „neuen Alten“ sind weit von der Pflegebedürftigkeit entfernt. Sie wissen aber, dass das Leben mit zunehmenden Alter nicht leichter wird und ihre Wohnsituation – oft ein Einfamilienhaus – für die anstehenden Jahre in den seltensten Fällen ideal ist. Welche Möglichkeiten des altersgerechten Wohnens stehen ihnen hier in Vorarlberg also zur Verfügung?

Umrüsten oder Umbauen

Verständlich: 90 Prozent der Menschen möchten solange als möglich in den eigenen vier Wänden leben, so das Ergebnis einer Umfrage von Silver Living. Die eigenen vier Wände sind jedoch selten bereit für die zweite Lebenshälfte der Bewohner. Das heißt: Sie sind nicht für die Lebensumstände von Senioren optimiert. Stichwort: Enge Sanitäranlagen, Türschwellen, steile Treppen, schmale Gänge oder Türen. Um die Häuser auf die neuen oder zukünftigen, barrierefreien Erfordernisse anzupassen, wäre häufig ein Umbau notwendig. Das ifs bietet hier unter anderem kostenlose Beratungen an und zeigt, wie mit einfachen Mitteln adaptiert werden kann – und welche Fördermittel es hierfür gibt. Die Problematik des zu großen Hauses ist damit aber nicht gelöst. Eine Variante, die an Beliebtheit gewinnt, und auch eine Lösung für ein zu groß gewordenes Haus darstellt, ist das Mehrgenerationenhaus. So unterziehen sich klassische Einfamilienhäuser immer öfters einer Wandlung zum Mehrparteienhaus – aus einem Haus werden zwei oder mehr Wohnungen. Die Grundidee dieser Form des gemeinschaftlichen Wohnens ist, dass sich jüngere wie ältere Generationen gegenseitig unterstützen. Der Isolation und Vereinsamung im Alter wird dadurch entgegengewirkt. Weiterer Vorteil: Es muss sich nicht an ein neues Umfeld gewöhnt werden. Man bleibt im Eigenheim und hat dennoch ein neues, für die Lebenssituation passenderes Zuhause.

„In guter Nachbarschaft“

Das 2017 in Dornbirn umgesetzte Projekt „In guter Nachbarschaft“ zeigt eine Möglichkeit, wie Wohnen im Alter aussehen könnte. Laut Bürgermeisterin Andrea Kaufmann (VP) ist das eine Antwort auf die dynamische Bevölkerungsentwicklung. Das Wohnprojekt im Gasser-Park richtet sich vor allem an junge Pensionisten, die Mitten im Leben stehen und in der Anlage auch aktiv daran teilhaben wollen. Initiiert wurde das Projekt von Erich Gasser – die Besitzerin des Areals, die Stadt Dornbirn, war aber von vornherein involviert: „Wir haben gemeinsam mit der Stadt Dornbirn überlegt, wie man ein Wohnprojekt für Senioren machen könnte, das es in dieser Form noch nicht gibt“, so Gasser.

Mitten im Leben

Auf den 7.000 Quadratmetern des Areals befinden sich 70 Mietwohnungen. Von Anfang an wurden 24 Einheiten an Menschen im Pensionsalter vermietet. Eine Kleinkindbetreuung ist im selben Gebäude untergebracht. Nicht grundlos: Das Ziel soll, so die Bürgermeisterin, ein „generationsübergreifendes Miteinander“ sein. Ein guter Kontakt zur Nachbarschaft ist außerdem laut Fonds Gesundes Österreich ausschlaggebend für ein längeres und gesundes Leben. Genau das ist das Ziel von Wohnen im Gasser-Park.

Raus aus dem Haus

Eine andere Möglichkeit zeigen Jolanda und August Rohner. Die Entscheidung – raus aus dem Haus, rein in die Wohnung – traf das Wolfurter Pensionisten-Ehepaar nicht leichtfertig. „Unser Haus aufzugeben war anfänglich unvorstellbar“, erzählt Jolanda Rohner. Viel Geschichte, viele Emotionen hängen an einem Haus, gerade wenn es fast 50 Jahre ein „Wegbegleiter“ war. August Rohner erklärt, dass sie beide versucht haben, das Für und Wider rein rational zu betrachten. In ihr Haus hätte kräftig investiert werden müssen und mit über 150 Quadratmetern war es Jolanda und August einfach zu groß. So war für das Ehepaar ganz nüchtern betrachtet der Verkauf des Hauses und der Umzug in eine Wohnung schlussendlich die sinnvollste Lösung.

Rational zu mehr Lebenskomfort

Von einem 150 Quadratmeter Haus übersiedelten sie in die 90 Quadratmeter Wohnung im Zentrum ihrer Heimatgemeinde Wolfurt. Und: Die Rohners haben diesen Schritt nicht bereut. Im Gegenteil: In der Dreizimmerwohnung mit großzügiger Terrasse lässt es sich komfortabel und barrierefrei leben. „Wir fühlen uns erleichtert“, betonen die Rohners. Dank hauseigenem Lift und gutem Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Mobilität noch bis ins hohe Alter garantiert. Sollte das Ehepaar je eine Pflegekraft benötigen, wäre für sie auch noch Platz genug in der Wohnung. „Viele haben uns zu diesem Schritt gratuliert, auch wenn sich das natürlich nicht jeder vorstellen kann. Aber für uns, war es genau das Richtige“, schwärmen die Rohners.

Der Altbürgermeister macht´s vor

Der Krumbacher Altbürgermeister Arnold Hirschbühl macht seinen Standpunkt klar:„ Wir können nicht mehr von der Geburt bis zum Tod in einem Haus wohnen. Wir müssen mobiler werden.“ Durch den wachsenden Wohlstand seien nach dem zweiten Weltkrieg sehr viele Einfamilienhäuser entstanden. Nun würden diese zusehends für die älter werdenden Bewohner zur Last. Um die jüngere wie die ältere Generation zu entlasten und zu unterstützen, setzt die Gemeinde Krumbach seit Jahren auf verdichteten, zentrumsnahen Wohnbau. Über 100 Wohnungen sind bereits in Krumbach entstanden. Hirschbühl sieht darin nicht nur eine Maßnahme gegen die Zersiedlung, sondern auch gegen die Einsamkeit, die viele ältere Menschen erleben. Er selbst hat seinen Hof an den Sohn übergeben und lebt jetzt mitten in Krumbach in einer barrierefreien Wohnung. Quasi: Tausche Haus gegen Wohnung. Die gute Infrastruktur ermöglicht den leichten Autoverzicht. Alles ist gut zu Fuß erreichbar. Ein bedeutender Faktor für ein selbständiges Leben auch in fortgeschrittenen Jahren: Seine täglichen Besorgungen selbst erledigen zu können, sind nicht nur für das Wohlbefinden wichtig, sondern garantieren die Teilhabe am Gemeindeleben. Hirschbühl sagt es deutlich: „Von uns würde niemand mehr ausziehen.“