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VEV-Initiative für ein unabhängiges Wohninstitut findet viel Unterstützung

Leitartikel Haus & Grund Nr. 3/Mai-Juni:

Das Land Vorarlberg, Vertreter der Wirtschaftskammer Vorarlberg sowie zahlreiche Vorarlbergerinnen und Vorarlberger aus den Bereichen Wirtschaft und Gesellschaft sind vom VEV-Vorstoß eines unabhängigen Kompetenzzentrums für Wohnen und Immobilien angetan. Die Gespräche mit potenziellen Projektpartnern sind im vollen Gange – und die ersten Schritte zur Umsetzung gesetzt.

Die im Rahmen einer Pressekonferenz artikulierte VEV-Forderung nach Schaffung eines unabhängigen Kompetenzzentrums für Wohnen und Immobilien hat nicht nur medial Wellen geschlagen, sondern in Politik und Wirtschaft für positive Resonanz gesorgt. Allen voran der Wunsch, das Thema Wohnen von der emotionalen Ebene zu lösen und Maßnahmenvorschläge auf einer breiten und objektiven Faktenbasis zu erarbeiten, ließ rasch Kooperationspartner für die konkrete Umsetzung finden. Die ersten Gespräche mit potenziellen Partnern – darunter mit dem Land Vorarlberg bzw. dem zuständigen Landesrat Karlheinz Rüdisser und Vertretern der Immobilien-Branche in der Wirtschaftskammer Vorarlberg – seien ausgesprochen vielversprechend verlaufen. „Man merkt, dass Bewegung in die Sache kommt“, freut sich VEV-Präsident RA Dr. Markus Hagen. Sowohl mit Landesrat Karlheinz Rüdisser als auch mit der Wirtschaftskammer Vorarlberg sei man in einem ersten Schritt übereingekommen, nach ähnlichen und bereits existierenden Modelllösungen zu suchen – um so in einem weiteren Schritt Adaptierungspotenzial für Vorarlberg erkennen zu können. Über den Sommer sollen weitere Gespräche folgen – um so Schritt für Schritt an der Umsetzung eines Kompetenzzentrums für Wohnen und Immobilien zu arbeiten. Günther Ammann, Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, ist jedenfalls bereit, mitzuarbeiten: „Ich erachte die Idee als sehr gut. Nun geht es darum auszuarbeiten, wie ein solches Institut oder Kompetenzzentrum gestaltet werden könnte.“

Hagen präzisiert Forderung

Auf großes Interesse stieß bereits die Pressekonferenz im Hotel Martinspark. Vor den zahlreichen Journalistinnen und Journalisten – darunter von ORF, VN und Standard – präzisierte VEV-Präsident Hagen, warum die aktuelle Wohnpolitik in eine Sackgasse führe. „In den vergangenen Monaten hat sich unter dem Deckmantel des ‚leistbaren Wohnens’ ein regelrechter Wettbewerb an destruktiven Ideen entfacht. Mit den de facto Enteignungsforderungen der Bürgermeister- und Architekteninitiative ‚vau hoch drei’ wurde der Zenit des Erträglichen nun aber überschritten“, machte er deutlich. Es sei verantwortungslos, auf Basis von reinen Annahmen Forderungen aufzustellen, die Eigentümerinnen und Eigentümer mit der Enteignungskeule bedrohen. Klar sei nämlich: Die oftmals vorgebrachte Annahme, vornehmlich baulandhortende Großinvestoren seien dafür verantwortlich, dass der Druck auf den hiesigen Wohnungsmarkt steigt, basiere nicht auf regionalen Studien, Zahlen der Statistik Austria oder der Auskunft der Raumplanungsabteilung – sondern, im Fall von ‚vau hoch drei‘ – auf der persönlichen Wahrnehmung von einzelnen Bürgermeistern und Architekten. Es werde in Kauf genommen, Vorarlbergerinnen und Vorarlberger zu bestrafen, die über Jahre hinweg gespart haben, um ihre Nachkommen die Errichtung eines Eigenheims zu ermöglichen. „Das Grundbedürfnis Wohnen Emotionen und Experimenten zu überlassen, ist brandgefährlich – und hat bereits in der Vergangenheit nie zu den gewünschten Ergebnissen geführt“, betonte Hagen.

Es braucht neue Antworten

Es sei also an der Zeit, dem Thema Wohnen einen neuen Stellenwert beizumessen. Oder anders gesagt: Für einen komplexen Wohnungsmarkt gibt es keine einfachen Lösungen – obwohl von vereinzelten Interessensvertretern gerne so kommuniziert. Die Gründe, warum der Wohnungsmarkt unter Druck ist, sind mannigfaltig. „Neben tatsächlich wahrzunehmenden Preissteigerungen sorgen vor allem gesetzliche Rahmenbedingungen – Stichwort Steuerrecht, Wohnrecht, Raumplanung und ähnliche – sowie die internationale Finanzlage für eine Verteuerung“, erklärte VEV-Präsident Hagen. Das sei zugleich auch der Grund, warum die Landesverwaltung nicht in der Lage sei, das Thema in seiner Komplexität abzudecken. „Die inhaltliche Zersplitterung des Themas Wohnen in verschiedene Fachabteilungen macht das unmöglich. Es fehlt die Gesamtschau des Immobilienmarktes“, so Hagen.

Beispiel zeigt Handlungsbedarf

Das Beispiel „Sicher Vermieten“ verdeutliche dieses Problem überdeutlich. Ein Erfolgsmodell könne das von der VEV initiierte Leerstandsprojekt nur dann werden, wenn es in der Aufarbeitung nicht dem Zufall überlassen werde. „Es braucht eine inhaltliche Verantwortung und eine koordinierende Stelle“, betonte der VEV-Präsident im Rahmen der Pressekonferenz. Das Projekt einer Mitarbeiterin bzw. einem Mitarbeiter umzuhängen, sei zu wenig. Ein idealer Ansatzpunkt für ein potenzielles Kompetenzzentrum für Wohnen und Immobilien. Denn: Datenmaterial zum Thema Leerstand gibt es bis heute nicht.

Es gibt viel zu tun

Die Themenvielfalt für ein solches Institut wäre groß, ist die VEV überzeugt. Neben der Erforschung des Immobilien- und Wohnungsmarktes wäre es mit Aufgaben wie der Erarbeitung von Lösungsstrategien betraut – ganz konkret auch für die Koordination des Projekts „Sicher Vermieten“. Oder anders gesagt: Ein Kompetenzzentrum für Wohnen und Immobilien muss sich der ganz zentralen Aufgabe widmen, den Wohn- und Immobilienmarkt, insbesondere aber auch deren Teilnehmerinnen und Teilnehmer – darunter Investorinnen und Investoren, Vermieterinnen und Vermieter, Mieterinnen und Mieter und auch Eigentümerinnen und Eigentümer – in ihrer ganzheitlichen Komplexität und ihrem jeweiligen Zusammenspiel zu erforschen und zu verstehen. „Wenn wir nicht verstehen, wie der Vorarlberger Immobilienmarkt funktioniert, können wir keine zielführenden Maßnahmen setzen“, ist Hagen überzeugt. Die VEV wird die Umsetzung ergebnisoffen nun Schritt für Schritt vorantreiben. „Haus & Grund“ wird berichten.