zurück zur Übersicht

Nachfrage nach Eigentum in Vorarlberg österreichweit am größten

Leitartikel Haus & Grund Nr. 4/Juli-August:

Die Preisspirale am Immobilienmarkt dreht sich weiter. Der aktuelle Immobilienpreisspiegel der Wirtschaftskammer Österreich weist eine Teuerung von 20 Prozent und mehr aus – von 2017 auf 2018 wohlgemerkt. In der Wirtschaftskammer Vorarlberg geht man davon aus, dass sich die Preise auf hohem Niveau beruhigen werden. Die Mieten steigen indes nicht in jenem Ausmaß wie die Kosten für Eigentum.

Der tägliche Blick auf die einschlägigen Immobilienportale ist für viele Eigentumssuchende in Vorarlberg mit Enttäuschung verbunden. Die Immobilienpreise befinden sich nach wie vor im Höhenflug – und werden in der Finanzierung auch für Gutverdiener zusehends zum Problem. Ein Beispiel laut laendleimmo.at? Eine 17 Jahre junge, durchschnittlich ausgestattete Doppelhaushälfte in Götzis mit rund 120 m2 Wohnfläche und überschaubarem 90 m2 Gartenanteil fällt mit knapp 520.000 Euro zu Buche – wohlgemerkt ohne Nebenkosten. Kein Einzelfall, sondern Realität für all jene Vorarlberger, die sich nach einem eigenen Haus oder einer eigenen Wohnung sehnen. Ein Umstand, der auch vom aktuellen Immobilienpreisspiegel der Wirtschaftskammer Österreich bestätigt wird. Demnach haben von 2017 auf 2018 österreichweit die Preise in allen Kategorien angezogen, wobei Baugrundstücke für Einfamilienhäuser mit 6,9 Prozent Plus die stärkste Veränderung erfahren haben. Die österreichweit größten Sprünge wurden einmal mehr in Vorarlberg verzeichnet: Plus 12,3 Prozent hieß es kumuliert in Bregenz – gar ein Plus von 15,1 Prozent stand in ganz Vorarlberg zu Buche. Und trotzdem: Günther Ammann, Fachgruppenobmann der Immobilientreuhänder in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, glaubt an eine Beruhigung. „Auf Grund der vorliegenden Rahmenbedingungen in preislichen, steuerlichen und anderen marktpolitischen Bereichen, rechne ich mit einer Beruhigung und somit einem Einpendeln des Marktes auf hohem Niveau“, so Ammann. Das Gesetz, wonach Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen, würde sich durchsetzen. „Investoren erwarten Rendite“, so Ammann. Und hier scheint der Zenit offenbar erreicht.

Knapp 20 Prozent Steigerung

Und trotzdem: Von „günstig“ sind wir in Vorarlberg weit entfernt. Ein Beispiel: Im Bezirk Feldkirch sind die durchschnittlichen Preise für Baugrundstücke in „normaler Wohnlage“ von 2017 auf 2018 um 19,1 Prozent von 330 auf 393 Euro gestiegen. Das heißt: Für ein Baugrundstück mit 600 m2 Fläche in „normaler Wohnlage“ müssen im Bezirk Feldkirch durchschnittlich 235.000 Euro investiert werden. In „sehr guter Wohnlage“ ist der Quadratmeterpreis laut Immobilienpreisspiegel der Wirtschaftskammer Vorarlberg sogar um mehr als ein Drittel (!) gestiegen – von 459 Euro auf 631 Euro. In der Beispielrechnung von oben schlägt ein Baugrundstück im Bezirk Feldkirch in sehr guter Lage also gar mit beinahe 380.000 Euro zu Buche – exklusive Erschließungskosten.

Teurer Westen, günstiger Osten

In anderen Bezirken sieht die Situation kaum anders aus. Die höchsten Quadratmeterpreise in Bestlage sind indes im Bezirk Bregenz zu bezahlen. Bis zu 873 Euro sind dort pro Quadratmeter aufzubringen – ein Plus von knapp 16 Prozent im Vergleich zu 2017. Oder anders gesagt: Bis zu 523.000 Euro für ein 600-m2-Grundstück. Die vergleichsweise günstigsten Baugrundstücke sind im Bezirk Bludenz zu ergattern. In „mäßiger Wohnlage“ sind dort noch Grundstücke für 210 Euro pro Quadratmeter erhältlich. Wobei günstig auch hier stark in Relation gesehen werden muss – vor allem im Vergleich zu anderen Bundesländern. Ein Beispiel? Im Burgenland sind Quadratmeterpreise um die 20 Euro nach wie vor keine Seltenheit – hier werden also 12.000 Euro für ein Baugrundstück für ein Einfamilienhaus fällig. Auch in absoluten Bestlagen sind im Burgenland maximal 200 Euro aufzubringen. Ähnlich die Preise in Kärnten oder der Steiermark. Teurer als in Vorarlberg sind Baugrundstücke nur in einigen Wiener Bezirken (Währing, Döbling oder Hietzing) und in Kitzbühel – ausgenommen Innenstädte.

Preise für Eigentumswohnungen

Etwas mäßiger fallen die Teuerungen bei Eigentumswohnungen (Neubezug) aus. In „guter Wohnlage“ haben die Quadratmeterpreise zwischen 0,6 und 3,7 Prozent angezogen. In Dornbirn ist für eine Eigentumswohnung in entsprechender Lage durchschnittlich 3.757 Euro pro Quadratmeter aufzubringen– für eine 100-m2-Wohnung also rund 380.000 Euro. Auch bei Eigentumswohnungen gilt: Im Bezirk Bludenz sind die Preise im Relation am günstigsten. Deutlich teurer als im Vorjahr sind gebrauchte Eigentumswohnungen. Auch hier sind die Preise zum Teil im zweistelligen Bereich gestiegen.

Preise für Einfamilienhäuser

Einfamilienhäuser sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwischen 2 und 8 Prozent im Preis gestiegen – abhängig von Bezirk und Lage. In „guter Wohnlage“ in Bregenz werden durchschnittlich rund 3.110 Euro pro Quadratmeter fällig. In „sehr guten Wohnlagen“ erhöht sich der Durchschnittspreis auf bis zu 4.000 Euro – für ein 120-m2-Einfamilienhaus werden dann 480.000 Euro fällig.

Mieten nicht so stark gestiegen

Auffallend: Im Vergleich zu den extrem gestiegenen Preisen für Eigentum, haben die Mietpreise nicht im Ansatz im selben Ausmaß angezogen. Pro Quadratmeter werden demnach – je nach Region und Ausstattung – zwischen 6,90 Euro und 11,80 Euro verrechnet. Für eine 80-m2-Wohnung bedeutet das im Durchschnitt zwischen 544 und 944 Euro pro Monat.

Hohe Nachfrage ungebrochen

Dass die hohen Preise aktuell noch keinen Einfluss auf die starke Nachfrage haben, zeigen die Zahlen des RE/MAX-Immospiegels für das erste Halbjahr 2018. Demnach liegen die Immobilienverkäufe mit mehr als 3.000 Verkäufen beinahe zehn Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Das größte Plus verzeichnen die Makler im Bezirk Bludenz (+22,9 Prozent), gefolgt von Feldkirch (+18,3 Prozent) und Bregenz (+4,4 Prozent). Nur im Bezirk Dornbirn waren die Verkäufe mit einem Minus von 3,7 Prozent leicht rückläufig. Der Gesamtwert der Immobilienverkäufe in Vorarlberg sei um 23,9 Prozent nach oben geklettert, heißt es von RE/MAX.