zurück zur Übersicht

Kümmerer soll ‚Sicher Vermieten‘ in allen Gemeinden vorantreiben

Leitartikel Haus & Grund Nr. 5/September-Oktober:

„Sicher Vermieten“, die Initiative zur Aktivierung leerstehender Wohnungen, soll nun neue Fahrt aufnehmen. Ein eigener Kümmerer wird 2019 als zentrale Ansprechperson aktiv auf Gemeinden und potenzielle Vermieter zugehen, verspricht das Land. Eine Maßnahme, die von der VEV bereits von Beginn an gefordert wurde. VEV-Präsident RA Dr. Markus Hagen betont: „Die Vorteile von ‚Sicher Vermieten‘ überzeugen!“

Das Vorarlberger Leerstandprojekt ‚Sicher Vermieten‘, das 2016 federführend von der Vorarlberger Eigentümervereinigung (VEV) ins Leben gerufen wurde, soll nun frischen Wind erfahren – und in allen Gemeinden vorangetrieben werden. Wie? Die von der VEV bereits zu Projektbeginn geforderte Stelle für „Sicher Vermieten“ wurde nun mit viel Verspätung ausgeschrieben. Bei einem sogenannten Kümmerer sollen die Fäden fortan zusammenlaufen.

Die Aufgaben des Kümmerers umfassen unter anderem: • Erhebung des Wohnungsbedarfs • Erfassung geeigneter Mietobjekte in Zusammenarbeit mit den Kommunen und Projektpartnern • Aktive Kontaktaufnahme mit potenziellen Vermietern • Beratung und Begleitung der Vermieter • Koordination der Projektpartner • Öffentlichkeitsarbeit

Ansprechperson fehlte

Über das Projekt „Sicher Vermieten“ wurden bisher rund 20 Wohnungen aktiviert und vermittelt. Das entspricht immerhin zwei Kleinwohnanlagen – ist aber deutlich zu wenig. Die Erwartungen konnten bisher nicht erfüllt werden. Einer der Gründe: Fehlende Verantwortlichkeiten. „Wir haben von Anfang an deutlich gemacht, dass es eine Ansprechperson für die Gemeinden geben muss. Jemanden, der die Fäden in der Hand hält, das Projekt vorantreibt und auch aktiv auf potenzielle Vermieter zugeht“, erklärt VEV-Präsident RA Dr. Markus Hagen. Sprichwörtliches „Klinkenputzen“ sei notwendig – andernfalls seien potenzielle Vermieter von den Vorteilen von „Sicher Vermieten“ nicht zu überzeugen. „Viele Vermieter haben in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht – sei es mit Mietern oder mit dem vermieterfeindlichen Mietrechtsgesetz (MRG). Oder sie wollen schlicht den Aufwand nicht auf sich nehmen. Um diese Menschen zu überzeugen, ihre Wohnungen wieder auf den Markt zu bringen, braucht es aktives Zutun“, so Hagen. Ein Umstand, der auch in der vom Land in Auftrag gegebenen Leerstandstudie von Dr. Wolfgang Amann (Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen) festgestellt wurde.

Die nun erfolgte Ausschreibung für die Stelle als Kümmerer wurde bei der VEV deshalb mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen. Man werde sich weiterhin intensiv darum bemühen, Vermieter von den Vorteilen von „Sicher Vermieten“ zu überzeugen, so die VEV. Denn: „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass ‚Sicher Vermieten‘ helfen kann, leerstehende Wohnungen dem Markt zuzufügen“, so der VEV-Präsident. Davon ist man im Übrigen nicht nur in Vorarlberg überzeugt. Auch in anderen Bundesländern gibt es Bestrebungen, das Projekt einzuführen. „Es gibt viele Anfragen“, weiß Hagen.

Keine Zwangsmaßnahmen geplant

Die Maßnahmen in Vorarlberg sollen nun jedenfalls verstärkt werden. „Das Projekt zieht langsam an, die Richtung stimmt. Deshalb wollen wir unsere Bemühungen verstärken, präzisieren und wirksamer gestalten“, sagte Landeshauptmann Markus Wallner. Und ein weiteres positives Signal wurde gesendet: Die Landesregierung wolle weiterhin auf Zwangsmaßnahmen, wie sie in anderen Bundesländern beim Thema Leerstand Anwendung finden, verzichten. Konstruktive Maßnahmen seien zielführender. „Wir suchen daher gezielt nach Möglichkeiten für weitere Anreize für Wohnungseigentümer, damit sie leerstehende Wohnungen dem Markt zuführen“, ergänzte Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser.

2.000 Wohnungen aktivierbar

Dass das Potenzial groß ist, zeigt die Studie von Dr. Amann. Demnach stehen hierzulande rund 8.400 Wohnungen leer – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Nur ein kleiner Teil davon – rund 2.000 Wohnungen – sind der Studie zufolge kurzfristig auch aktivierbar. Das entspricht etwa einem Prozent des Vorarlberger Wohnungsbestands und der Bauleistung eines Jahres im Mehrwohnungsbau.

Klare Vorteile für Vermieter

Auch die Vorteile von „Sicher Vermieten“ überzeugen – vor allem für jene potenziellen Vermieter, die vor dem Aufwand zurückschrecken und das finanzielle Risiko scheuen. Kern des Projekts ist eine Garantie für Vermieter – in mehrfacher Hinsicht. Zum einen übernimmt das Land, sofern notwendig, Miet- und Betriebskostenrückstände sowie Wohnungsinstandsetzungen, welche vom Mieter zu tragen wären. Zum anderen wird der Verwaltungsaufwand abgenommen. Vertragsabschluss, Kündigung oder Verlängerung von Mietverträgen werden vom Land bzw. den Projektpartner abgewickelt. Für dieses einzigartige Rundum-Sorglos-Paket nimmt der Vermieter Abstriche beim Mietzins in Kauf – konkret 20 Prozent unter dem Vorarlberger Richtwert. Das bedeutet: in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohner werden 6,86 Euro pro Quadratmeter an Miete verrechnet, in größeren Gemeinden 7,71 Euro pro Quadratmeter. Autoabstellplätze werden separat verrechnet: 30 Euro für einen regulären Abstellplatz, 45 Euro für einen Carport und 60 Euro für einen Tiefgaragenplatz. Für eine 70 Quadratmeter große Wohnung in Dornbirn mit Tiefgaragenplatz kann so also knapp 600 Euro verdient werden – exklusive Betriebskosten. Ohne Aufwand, ohne Risiko.

Seit kurzem können dabei nicht mehr länger nur Wohnungen von Privatpersonen im Rahmen von „Sicher Vermieten“ vermittelt werden. Fortan können auch Einfamilienhäuser angeboten werden.

Die Mieter werden indes von der Gemeinde vermittelt. Das Objekt wird vor Vermietung überprüft, der neue Kümmerer soll fortan Ansprechpartner für die potenziellen Vermieter sein.